Tageskliniken: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die teilstationäre Psychotherapie

Der Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein hat auf zusätzlichen Bedarf frühzeitig reagiert und die Beratungskapazitäten in seinen Tageskliniken erweitert.

(22.10.2020) Das regelmäßige Training mit der Fußballmannschaft, ein Plausch mit Kollegen in der Mittagspause oder ein spontaner Bummel durch die Fußgängerzone - diese und viele andere alltägliche Beschäftigungen wurden Ende März 2020 für Millionen Deutsche unmöglich, nachdem sich Bund und Länder auf strenge Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen geeinigt hatten. Inzwischen ist der „Lockdown“ überstanden und die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie wurden schrittweise gelockert, doch inzwischen werden die psychosozialen Folgen der Ausgangssperren deutlich.

Studie ermittelt größte Belastung bei Paaren mit Kindern

Laut einer Sonderbefragung des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) waren Alleinerziehende durch den Lockdown besonders stark belastet. Die Internetausgabe der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ konnte die Ergebnisse vorab einsehen und berichtet, dass die größte Belastung bei Paaren mit Kindern feststellbar war. Die Forscher beschreiben das Thema „Einsamkeit“ als wichtigste soziale Folge der Corona-Pandemie. Sie weisen darauf hin, dass sich alle Umfrageteilnehmer*innen in der Zeit des Lockdowns einsamer fühlten als vorher. Die Studienautoren warnen vor den psychischen Auswirkungen der Pandemie. Sie zitieren eine Stellungnahme der Akademie der Wissenschaften Leopoldina, wonach das Angebot der Prävention und Therapie deutlich vergrößert werden müsse.

Notfallsprechstunden ausgebaut, ambulante Angebote zusätzlich erweitert

Der Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein hat auf diesen Bedarf frühzeitig reagiert und die Beratungskapazitäten in seinen Tageskliniken erweitert: „Wir haben Notfallsprechstunden ausgebaut und wollen die ambulanten Angebote zusätzlich erweitern“, berichtet Dr. Sabine Huss, Ärztliche Leiterin der Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bad Segeberg. „Die Corona-Krise hatte erhebliche Auswirkungen auf die teilstationäre Psychotherapie. Die Aufnahme von Patienten, die nicht akut gefährdet waren, musste zwischenzeitlich gestoppt werden. Die Versorgung von psychisch Erkrankten war zwischenzeitlich nicht mehr ausreichend gewährleistet“, unterstreicht Clemens Heise, Chefarzt der Tageskliniken für Psychiatrie und Psychotherapie in Norderstedt und Kaltenkirchen.

Belastungen durch Einsamkeit hat sich während des Lockdowns verschärft

Die Auswirkungen des bundesweiten Lockdowns waren bereits früh in den Tageskliniken des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein zu beobachten: „Wir beraten zunehmend Personen, welche durch den Lockdown ganz praktischen Belastungen ausgesetzt sind, also beispielsweise alleinerziehende Mütter oder Selbständige, welche durch den Wegfall von Aufträgen in wirtschaftliche Not geraten sind“, erklärt Clemens Heise und ergänzt: „Für viele Menschen, die bereits vorher erkrankt waren, hat sich die Situation durch die Folgen des Corona-Lockdowns verschärft.“ Der Bedarf an psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung hat infolge der Corona-Pandemie somit deutlich zugenommen: „Alleinlebende wurden einsam, Kurzarbeit oder Kündigung und die daraus resultierenden finanziellen Folgen führten zu psychischen Einbrüchen von vorher stabilen Menschen“, berichtet auch Sabine Huss aus der Tagesklinik in Bad Segeberg.

Gruppentherapie bei reduzierter Personenzahl möglich

Die Tageskliniken des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein haben neben dem Ausbau ihrer Beratungsangebote auch organisatorische Vorkehrungen getroffen, um unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln eine umfangreiche Unterstützung von Hilfesuchenden zu gewährleisten: „Einzeltherapien sind inzwischen wieder möglich, ebenso die Gruppentherapie bei reduzierter Personenzahl, um Abstandsregeln einzuhalten. Übungen mit direktem Körperkontakt werden vermieden“, sagt Clemens Heise, Chefarzt in Kaltenkirchen und Norderstedt. Auch Dr. Sabine Huss hat in Bad Segeberg die Teilnehmerzahl der Gruppenangebote verkleinert, sodass nun beispielsweise zwei Gruppen zu je vier Personen statt einer Gruppe mit acht Personen angeboten werden.

Verweis auf weiterführende Angebote im Landesverein und darüber hinaus

Nicht nur in Zeiten der Corona-Pandemie sind die Tageskliniken ein wichtiger Bestandteil der psychiatrischen Hilfen des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein: „Als Tagesklinik leisten wir in erster Linie psychotherapeutische Unterstützung beim grundlegenden Umgang mit der Stresssituation, vereinzelt und in Ausnahmefällen leisten wir auch Hilfestellung bei der Beantwortung von konkreten organisatorischen Fragen wie der Suche nach Not-Kitas“, erklärt Clemens Heise. Außerdem verweisen die Expert*innen in den Tagesklinken auf die entsprechenden sozialarbeiterischen Unterstützungsangebote oder andere Anlaufstellen innerhalb des Landesvereins, beispielsweise das Psychiatrische Zentrum in Rickling.

Erfahren Sie mehr über die Tageskliniken des Landesvereins an folgenden Standorten: