Presseschau: Luftreiniger als zusätzlicher Schutz gegen Corona-Virus?

(13.11.2020) Die AHA-Regel in Verbindung mit dem Zusatz "L" für "Lüften" gilt als Faustformel gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie. Im Kreis Segeberg wird zusätzlich die Einführung von Luftreinigungsgeräten diskutiert. Was steckt dahinter? Und wie positioniert sich der Landesverein?

Bildungseinrichtungen, Institutionen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen sowie andere öffentliche Stellen sind seit Monaten auf der Suche nach einem optimalen Schutz gegen das Corona-Virus. In den vergangenen Tagen ist eine zusätzliche Möglichkeit in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt: Wie die Segeberger Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe berichtet, fordern Lehrer und Eltern spezielle Luftfilter in Schulen. Im Kreis Segeberg bekam die Diskussion zusätzliche Dynamik, nachdem die CDU-Fraktion im Kreistag ein Investitionsprogramm für Schulen, Kitas und Altenheime ins Gespräch gebracht hatte.

Der Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein verfolgt die Initiative auf Kreisebene mit Interesse und begrüßt es, wenn die Altenpflegeheime zusätzliche staatliche Unterstützung bekommen, um einen größtmöglichen Schutz vor Corona-Infektionen zu gewährleisten. Der Hygienestab des Landesvereins beobachtet ständig die wissenschaftliche Studienlage und prüft technische Hilfsmittel. Es wurde bereits im August die Anschaffung entsprechender Geräte erwogen, aufgrund der damaligen Erkenntnisse fiel jedoch vorläufig eine Entscheidung gegen die Anschaffung. Bislang kommen Luftreiniger in den Altenpflegeheimen des Landesvereins nicht zum Einsatz. 

Frischer Wind gegen Corona

Die Mitarbeiter*innen in den Einrichtungen des Landesvereins setzen vor allem auf die klassische Lüftung durch regelmäßiges Öffnen der Fenster. Als Unterstützung für die Mitarbeitenden wurden CO²-Messgeräte angeschafft. "Wir werden die Studienlage aber weiter im Blick behalten, um auf künftige Erkenntnisse schnell reagieren zu können", bekräftigt Dr. Artur Bahr, Leiter des Hygienestabs. Er erklärt, dass bei der Entscheidung im August vor allem die Empfehlung des Umweltbundesamtes ausschlaggebend gewesen sei: "Dort hat die Innenraumlufthygiene-Kommission die Geräte nur in Einzelfällen und nur in Verbindung mit aktivem Lüften für sinnvoll eingestuft, diese aber nicht als Ersatz für regelmäßiges Lüften gesehen. Auch das Robert-Koch-Institut weist darauf hin, dass damit das Risiko einer Übertragung nicht effektiv verringert werden kann", erklärt Dr. Bahr.

Kreisverwaltung und Praktiker skeptisch, Eltern sehen es positiv

Auch die Segeberger Zeitung geht in ihrer Berichterstattung auf die Chancen und mögliche Hürden beim Einsatz von Luftreinigern ein: "Kreisverwaltung und Praktiker sind skeptisch, Eltern sehen es positiv." Bei einer Befragung von Vertretern der Bildungseinrichtungen im Kreis wird darauf hingewiesen, dass beim klassischen Lüften der Wechsel zwischen warmer Heizungsluft und kalter Außenluft zu einer Belastung der Kinder führen könnte. Allerdings wird beim Einsatz von Luftreinigern eine zusätzliche Lärmentwicklung befürchtet. Zudem sei für leistungsfähige Luftreinigungsgeräte, die in jedem einzelnen Raum aufgestellt werden müssten, mit Kosten im mittleren vierstelligen Bereich pro Stück zu rechnen.

Nach Einschätzung des Hygienestabs des Landesvereins kann der Einsatz von Luftreinigern in Einzelfällen sinnvoll sein, beispielsweise wenn ein Raum über keinerlei Fenster verfügt. Für den zweckmäßigen Einsatz der Raumluftreiniger sei allerdings eine genaue Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten, also beispielsweise Raumgröße, Luftzirkulation, Personenzahl erforderlich. 

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