Adventsandacht mit Abstand aus der Dorfkirche zu Rickling

(13.12.2020) Es kommt etwas auf uns zu - mit dieser wörtlichen Übersetzung des Begriffes "Advent" spricht Pastor Andreas Kalkowski, Direktor des Landesvereins, auf die Weihnachtsvorbereitungen an - in diesem Jahr unter besonderen Umständen: "Es ist ein anderer Advent, den wir feiern. Wie ich finde, ist es aber ein guter Advent." Musikalisch untermalt wird die Adventsandacht von Marie Sophie Goltz, Kantorin und Organistin im Landesverein und in der Kirchengemeinde Rickling.

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Ad-vent - dieses Wort bedeutet so viel wie: Es kommt etwas auf uns zu. Sie sind vielleicht schon in Vorbereitung dafür. Weihnachten ist in aller Munde. Ein gesellschaftliches Ereignis ist es geworden. Und in der Adventszeit bereiten wir uns darauf vor. 

Traditionell ist die Adventszeit eine Fastenzeit. Das klingt, als wenn es altbacken wäre. Aber überlegen Sie mal, wie oft Sie schon mit Freundinnen, Freunden oder in der Familie darüber gesprochen haben, dass man vielleicht doch ein bisschen weniger von dem Guten, Leckeren essen sollte oder vielleicht sich ein bisschen mehr bewegen könnte. 

Fasten ist also in unserer Gesellschaft ein sehr modernes Thema - Fasten in der Adventszeit, mit all diesen leckeren Kuchen, mit dem Punsch, mit dem Braten oder mit anderen Köstlichkeiten, die uns in die Nase steigen? Gar nicht so einfach. 

Vor sehr langer Zeit hat der Prophet Jesaja mit Menschen gesprochen, die auch fasteten. Im Volk Israel war es üblich und eine religiöse Regel, zu Fasten. Jesaja hat den Menschen, die damals fasteten, seine Vorstellung von Fasten deutlich gemacht und er hatte den Eindruck, dass er damit auch für die Vorstellung von Gott spricht. Ich möchte Ihnen einige Verse aus Jesaja 58 vorlesen:

3 „Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst's nicht wissen?“ Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 

4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 

5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? 

6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 

7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! 

8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen.

Alte Worte. Aktuelle Worte, finde ich. Das Thema „Fasten“ beschäftigt uns und wir sind jetzt in einer Zeit, die nicht nur „Adventszeit“ ist, sondern in diesem Jahr auch die besondere „Corona-Zeit“. Wir alle sind verbunden in der Beschäftigung mit dieser außergewöhnlichen weltweiten Krankheit. 

Wie ist es Ihnen ergangen in den letzten Wochen und Monaten? Es gibt wohl niemand, der sich damit beschäftigt und sich nicht auch Sorgen macht um sich selbst, aber auch um seine Angehörigen, um seine Freundinnen und Freunde. Vielleicht haben sie auch jemand in ihrer Nähe, der schon erkrankt ist oder schlimmstenfalls vielleicht sogar gestorben ist. 

Es ist eine ernste Zeit. Eine, die uns zu den wesentlichen Fragen bringt. Dafür ist Advent auch eine gute Zeit. 

Wir merken, dass wir endlich sind. 

Dass wir nicht alles vermögen und nicht alles wissen. 

Dass wir uns so schöne, viele Gewohnheiten in unserem Leben gestaltet haben, die uns Lebensqualität bringen. Aber auch, dass wir jetzt nicht mehr alles tun können, was wir gerne wollen. Wir sind begrenzt. 

Jesaja hat dies dem Volk Israel gesagt, vor 2500 Jahren etwa. Und heute erleben wir: Ja. Wir sind begrenzt. Es gibt Gesetze, Regelungen, die uns vorschreiben, mit wem wir uns treffen können, wie viele es sind. Hätten wir das vor Monaten noch gedacht? In der letzten Adventszeit etwa, wo die Weihnachtsmärkte so voll und übervoll waren mit allen Mitmenschen, mit leckeren Dingen. 

Es ist ein anderer Advent, den wir in diesem Jahr feiern. Wie ich finde, ist es aber ein Guter. 

Mein Wunsch für Sie: Nutzen Sie diese Zeit, so wie sie ist. Lassen Sie uns nicht so sehr darüber klagen, dass es doch im letzten Jahr noch ganz anders und schön war. Sondern lassen Sie uns überlegen: Wo können wir anderen Menschen eine Freude bereiten? 

Jesaja schreibt: 

Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

Vielleicht haben Sie eine Idee, wem Sie eine Freude machen können, wem Sie helfen und wen Sie unterstützen können. 

Vielleicht ist das auch für Sie eine Bereicherung, in dieser Adventszeit etwas tun zu können. Sie können es. Wir können es. 

Wir können diese Zeit gestalten, die eine Notzeit ist, zugegebenermaßen, aber die auch ein Hoffnungszeit ist: Im Advent hoffen wir, , dass nicht alles Heil aus der Welt selbst kommt. Dass da jemand zu uns kommen wird, der uns unsere Sorgen nimmt, der uns unsere Angst nimmt, der uns dafür reich beschenkt. 

Jesaja spricht von einem Licht und von Gerechtigkeit. Diese Worte  verbinden wir Christenmenschen auch mit dem Weihnachtsfest - wo ein Menschenkind geboren wird, das Licht bringt und Gerechtigkeit. 

Ich wünsche Ihnen weiterhin eine sehr schöne Adventszeit - und wenn es einmal dunkel ist, zünden Sie sich eine Kerze an für sich selbst und für andere, die Sie gerne haben. Schauen Sie zu, wo Sie anderen Nähe geben können, wo wir doch immer in Distanz bleiben müssen. 

Ich bin mir sicher, Gott ist uns allen nah. Ob wir zuhause sind oder auf der Arbeit, ob wir uns Sorgen machen oder ob wir fröhlich sind. 

Ihnen und den Ihren wünsche ich eine gute Adventszeit und dann frohe Weihnachten!