Die Stimme des Eiderheims

Mensch und Teilhabe

Wir haben Julian Wulf, der als Beschäftigter in der Telefonzentrale des Eiderheims arbeitet, zu Hause besucht, als seine Qualifizierte Assistenz Catrin Wolff gerade zu ihrem wöchentlichen Besuch bei ihm war. Die Assistierte Begleitung im eigenen Wohnraum (ABW) unterstützt Menschen mit Behinderungen, im eigenen Wohnraum zu leben. Ziel ist es, durch Hilfe zur Selbsthilfe langfristig ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen.

(27.07.2022) 

Jeder, der schon einmal im Eiderheim angerufen hat, kennt seine Stimme:
Julian Wulf arbeitet in der Telefonzentrale der Einrichtung für Menschen mit Behinderungen und nimmt Anrufe entgegen, leitet an Gesprächspartner*innen weiter und gibt Auskünfte. Privat macht der Beschäftigte Internet-Radio.

Im ABW werden die individuellen Ziele und Bedarfe jedes*r Klienten*in in regelmäßigen gemeinsamen Gesamt-und Teilhabeplankonferenzen mit Mitarbeitenden des ABW besprochen und im Gesamt-und Teilhabeplan festgehalten. Der regelmäßige Kontakt zwischen Mitarbeitenden und Klient*in bildet die Basis für eine gute Zusammenarbeit, bei der sich alle wohlfühlen und die gesetzten Ziele erreicht werden können. Bezugsbetreuer*innen und ihre Klient*innen treffen sich beispielsweise bei Hausbesuchen oder zu Spaziergängen, telefonieren miteinander oder halten über Messenger-Dienste Kontakt.

Julian Wulf wohnt seit einigen Jahren alleine in einer kleinen Dachgeschosswohnung in Kiel. Er bekommt bei der Führung des Haushaltes Unterstützung von Catrin Wolff, Sozialarbeiterin von der ABW, und wird dabei auch immer selbstständiger. Julian mag Catrin und hat Vertrauen zu ihr. „Ich glaube, ich würde ihr alles erzählen“, bestätigt er.

Internet-Radio GESTALTET die Freizeit

Während des Besuchs von Frau Wolff läuft Musik im Hintergrund. „Ich mache Internet-Radio“, erklärt der 29-Jährige und verschwindet im Nebenzimmer, in dem ein Mischpult, einige Mikrofone und etwa
ein Dutzend Bildschirme stehen. Radio ist Julians große Leidenschaft und Ausgleich zu seiner Arbeit im Eiderheim: „Radio ist einfach toll! Ich höre auf der Arbeit den ganzen Tag Radio. Aber bei den Sendern, die man so empfangen kann, läuft doch immer nur dasselbe“, fährt er fort. „Deshalb habe ich mir gesagt: Rumnörgeln kann jeder – ich mach jetzt selber Musik im Radio.“ Und das schon seit mindestens vier Jahren. Neben Musik spricht er auch selber Texte – zu allen Themen, die ihm über den Weg laufen und die er bei Twitter oder Instagram aufschnappt.

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Wichtige Aufgaben in der Telefonzentrale

Von Montag bis Freitag arbeitet Julian Wulf in der Telefonzentrale des Eiderheims und nimmt hier alle externen Anrufe entgegen. Das hatte vor 2014 zu den Aufgaben der Verwaltungskräfte gehört. Jeder kennt – auch von Durchsagen – seine Stimme. In der Verwaltung verlässt man sich gern auf ihn. Er hat sich die komplexen Funktionen der Telefonanlage erarbeitet und kann zu jedem Handapparat Auskunft geben, er weiß, wie die automatische Rufumleitung eingerichtet wird und kann die Anrufbeantworter besprechen. „Das ist der größte Schatz, den wir haben!“, berichtet auch Liane Kiel, die Leiterin des Eiderheims, „denn Julian kennt jedes Gerät und verliert nie die Geduld, das letzte Detail zu erklären und Dinge einzustellen, und nimmt uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern damit viel nervigen Kram ab. Und: Er hat auch noch Spaß daran!“ Seit Julian Wulf am Empfang einen eigenen Rechner hat, pflegt er auch einen Abwesenheitskalender, so kann er immer gleich Auskunft geben, ob der gewünschte Gesprächspartner da ist.

An seinem Arbeitsplatz wird Julian von Mitarbeitenden der Abteilung Förderung betreut, die Unterstützung und Begrenzung geben, wo es nötig ist. Vom Eingangsbereich der Verwaltung kann Julian Wulf auf den Hof der Werkstatt gucken und hat alles im Blick. Zufrieden schaut er über das Gelände. „Hier im Eiderheim arbeite ich richtig gern, seit ich meinen eigenen kleinen Bereich habe, denn jetzt bin ich ziemlich eigenständig, werde aber auch gut unterstützt,
wenn es zu viel wird. Im Eiderheim gehen alle sehr menschlich miteinander um, da kann man sich richtig wohlfühlen“, resümiert er.

Bericht: Astrid Schweppe