Bundestagswahl im Altenpflegeheim: „Meine Stimme ist wichtig“

(17.09.2021) Die bevorstehende Wahl ist auch in den Altenpflegeeinrichtungen ein Thema, das auf großes Interesse stößt. Und die Pflegekräfte vor Ort leisten individuelle Hilfestellung, um den Bewohner*innen den Urnengang zu ermöglichen. Zunehmende Bedeutung spielt die Möglichkeit der Briefwahl.

„Es geht hier um mich und darum, wie mit uns ‘alten Leuten‘ umgegangen wird und wie unsere Existez weiter gesichert wird“, sagt Georg Haußner, der seit März 2015 im Paul-Gerhardt-Haus in Wahlstedt lebt. Der 85-Jährige ist politisch sehr interessiert und verfolgt mit Spannung den Wahlkampf. Seine Informationen bezieht er aus Funk, Fernsehen und einer Wochenzeitschrift.

Für den gebürtigen Bayern stand die Entscheidung, für wen er bei der anstehenden Wahl stimmen würde, schon länger fest und daher hat er sich für die Möglichkeit der Briefwahl entschieden. „Vor zwei Jahren konnte ich mit meinem Rollator noch ins Wahllokal, das sich ganz in der Nähe befindet. Jetzt im Rollstuhl bevorzuge ich die durchaus bequeme Briefwahl“, erzählt Georg Haußner. „Ich freue mich über diese Möglichkeit und darüber, dass die Mitarbeiterinnen einem hierbei auch helfen können, wenn man Hilfe benötigt, und sich darum kümmern, dass die ausgefüllten Wahlbriefe rechtzeitig abgegeben werden. Denn es ist wichtig, dass viele Menschen ihre Stimme abgeben“, so der Rentner.

Stimmabgabe per Briefwahl oder im Wahllokal

Georg Haußner ist im Paul-Gerhardt-Haus aber nicht der einzige Bewohner, der sich politisch interessiert. Sören Kühn, Assistent der Einrichtungsleitung, hat erleben können, dass Bewohner*innen untereinander darüber debattieren, welche Partei nun zu wählen sei, oder auch vernommen, dass Bewohner*innen mit der Arbeit von Angela Merkel sehr zufrieden sind.

Bei ihm in der Einrichtung haben sich etwa 60 Bewohner*innen dafür entschieden, per Briefwahl zu wählen, andere Bewohner*innen werden es sich nicht nehmen lassen, eigenständig das Wahllokal aufzusuchen. „Wir im Paul-Gerhardt-Haus sind in der guten Lage, dass direkt neben unserem Gebäude das Wahllokal sein wird“, freut sich Sören Kühn.

Jede*r Bewohner*in soll die Möglichkeit zur Wahl haben

Gemeinsam mit Jutta Schmidt, Mitarbeiterin in der Verwaltung, hat Sören Kühn persönlich die Wahlbenachrichtigungen vorsortiert. Im Paul-Gerhardt-Haus soll jede*r Bewohner*in die Möglichkeit haben, wählen zu können. Auch die Bewohner*innen, die eine gesetzliche Betreuung haben und nicht mehr in der Lage sind, Ihre Wünsche mitzuteilen. In diesen Fällen wurden die Wahlbenachrichtigungen an die Betreuern*innen übergeben.

In den vergangenen Wochen haben die Mitarbeiterinnen der Sozialen Betreuung die Wahlbenachrichtigungen zu den Bewohner*innen gebracht und erfragt, wer im Wahllokal wählen und wer die Möglichkeit der Briefwahl nutzen möchte.

Unterstützung beim Beantragen und Ausfüllen - natürlich unter Wahrung des Datengeheimnisses

Bei Briefwahl helfen die Mitarbeiterinnen der Sozialen Betreuung sowie die Freiwilligendienstler*innen beim Ausfüllen und Beantragen. „Viele unserer Bewohnerinnen und Bewohner können sich noch äußern, welche Partei sie gerne wählen möchten, sodass die Mitarbeiterinnen auch beim Ausfüllen der Wahlscheine unterstützen“, erklärt Sören Kühn, Assistent der Einrichtungsleitung. „Selbstverständlich wird hier auch das Datengeheimnis gewahrt und jegliche Manipulation ausgeschlossen.“

Bis heute haben die meisten der Briefwähler*innen Ihren Wahlschein bereits ausgefüllt und verschickt. Einige Bewohner*innen nutzen noch die verbleibende Zeit, um sich endgültig zu entscheiden und werden dann eigenständig oder mit Hilfe ihrer Angehörigen ins Wahllokal gehen. Wenn nötig, bietet das Paul-Gerhardt-Haus eine Begleitung durch die Mitarbeiterinnen der Soziale Betreuung.

Auch in den anderen Altenpflegeheimen des Landesverein, wie beispielsweise der Seniorenwohnanlage im Erlenhof oder im Altenpflegeheim Ruhleben, sind viele Bewohner*innen politisch interessiert und erhalten bei Bedarf ebenfalls von den Mitarbeiter*innen der Sozialen Betreuung die Unterstützung, die sie benötigen. Ob nun bei der Briefwahl oder beim gewünschten Gang ins Wahllokal. Letzteres wird hier allerdings seltener in Anspruch genommen als im Paul-Gerhardt-Haus in Wahlstedt, da die Wahllokale nicht in unmittelbarer Nähe liegen und die Briefwahl dann durchaus die bequemere Variante ist.