Vier Pfoten, die die Seele berühren

Dass sich Beziehungen zu Tieren positiv auf unser Wohlbefinden auswirken, ist schon seit längerem bekannt und wird immer eingehender erforscht. Die meisten Menschen können sich der Faszination von Tieren nicht entziehen, dies gilt insbesondere für einen der treuesten Begleiter in der Menschheitsgeschichte: den Hund. Tiergestützte Therapie und hundegestützte Therapien sind jedoch noch nicht weit verbreitet. Am Psychiatrischen Zentrum wurde nun ein Konzept mit dem Ziel entwickelt, die Vierbeiner und ihre therapeutischen und pädagogischen Begleiterinnen zentrumsweit bekannt und damit noch mehr Patient*innen zugänglich zu machen.

(28.06.2022) Joelle Heimbach ist Psychologin und Teamleiterin der suchtpsychiatrischen Abteilung auf Station 17 D/E des Psychiatrischen Zentrums. Doch selten begegnet man ihr alleine, denn meistens ist Joelle mit ihrem Co-Therapeuten unterwegs: Jacky, 10 Jahre jung, Terrier-Mischling. Seine Superkraft: er kann spielend Bindungen zu Menschen aufbauen und sie zum Lachen bringen. Jacky ist einer von vier Hunden, die am Psychiatrischen Zentrum ihre Bezugspersonen in der tiergestützten Therapie bei der täglichen Arbeit für und mit Menschen unterstützen. Hugo, ein English Cocker Spaniel, kann sogar Würfelspiele spielen und begleitet Freya Wagenführ, Psychotherapeutin in Ausbildung. Flynn, ein Kurzhaarcollie, bringt bereits Erfahrungen aus der Arbeit im Pflegeheim mit und hilft Ergotherapeutin Vanessa Holtorf. Cooper, ein American Shepherd, liebt Gurken als Leckerli und unterstützt Melanie Gier, eine Sozial- und Traumapädagogin.

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In Einzel- oder Gruppentherapien sind die Vierbeiner in den Einrichtungen des Psychiatrischen Zentrums des Landesvereins im Einsatz und treffen dabei auf Patient*innen mit unterschiedlichsten Störungsbildern. Bei Depressionen, Angsterkrankungen, Traumafolgestörungen, Persönlichkeitsstörungen oder dementiellen Erkrankungen helfen sie neben einer therapeutischen Wirkung gezielt Verhalten und Emotionen zu fördern. So aktiviert und motiviert ein Tier beispielsweise durch das Bringen von Pantoffeln ans Bett zum Aufstehen und aktiven Tagesstart oder zaubert auf einer Runde übers Klinikgelände einfach ein Lächeln oder herzhaftes Lachen auf das Gesicht der Patient*innen im gemeinsamen Spiel oder Erkunden.

"Ich kenne Jacky jetzt seit einem Jahr. Wir sehen uns zwei bis drei Mal die Woche und gehen miteinander spazieren. Was mir an Jacky am besten gefällt, ist dass er mich so nimmt wie ich bin. Er urteilt nicht."

Therapiebegleithunde unterstützen die Patient*innenbehandlung im Sinne einer positiven Einflussnahme auf das Erleben und Verhalten von Menschen im therapeutischen Prozess. Warum das so ist? Tiere bringen sich unverfälscht ein, schenken ungeteilte Aufmerksamkeit, handeln im Hier und Jetzt, schwingen empathisch mit und schätzen den Menschen unvoreingenommen, ohne dabei zu werten. Es hat sich gezeigt, dass vor allem Hunde als sozial lebende Rudeltiere geeignet sind, um in einem therapeutischen bzw. psychologischen Kontext zu unterstützen. Das Bedürfnis nach sozialer Interaktion und die Fähigkeit, individuelle Bindungen einzugehen sowie die Fähigkeit, sich auf das Gegenüber einzustellen und sich diesem anzupassen, bilden dabei die Basis. Gerade das Bedürfnis nach körperlicher Nähe und Geselligkeit kann sich durch den Kontakt zu Tieren erfüllen. Patient*innen fühlen sich oft von Hunden so angenommen und respektiert wie sie sind, fühlen sich weniger allein und genießen die Nähe zum Hund. 

Das spiegelt es sich auch in den Aussagen der Patient*innen wieder: „Es ist gut, dass Jacky da ist, weil er mir meine Traurigkeit und meine Ängste nimmt. Durch Jacky werde ich auch in Gesprächen offener und er beruhigt mich, wenn es mir nicht gut geht.“ 

So können die tierischen Co-Therapeuten als Ablenkung, Eisbrecher und Gesprächsanlass dienen, akzeptieren ohne Wenn und Aber, lassen Streicheleinheiten zu und berühren damit Mensch und Seele. 

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