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Werkstätten im Lockdown: Gesundheitsschutz und Teilhabe sind keine Gegensätze

(03.02.2021) Sollten Werkstätten für Menschen mit Behinderungen im bundesweiten Lockdown geschlossen werden? Die Abwägung zwischen einem größtmöglichen Gesundheitsschutz und dem Recht der Beschäftigten auf Teilhabe ist eine besondere Herausforderung - der Landesverein hält durch ein striktes Hygienekonzept den Betrieb der Werkstätten weiterhin aufrecht.

Das öffentliche Leben ist in den vergangenen Monaten durch den bundesweiten Lockdown stark eingeschränkt worden. Mit mobiler Arbeit, Bildung von Clustern innerhalb der Belegschaft und ausreichend Abstand versuchen Wirtschaft und Industrie, ihren Betrieb aufrecht zu erhalten.

Auch in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen wurden umfassende Vorkehrungen getroffen, um die Beschäftigten bestmöglich zu schützen. Die Sicherheit in den Werkstätten wurde in den vergangenen Wochen jedoch auch überregional kontrovers diskutiert, nachdem die Werkstätten im ersten Lockdown zuerst vollständig geschlossen und danach schrittweise wieder geöffnet wurden. 

Regelbetrieb unter Auflagen zulässig

In den Diskussionen um die Öffnung der Werkstätten wird deutlich, dass die Abwägung zwischen einem größtmöglichen Gesundheitsschutz und dem Recht der Beschäftigten auf Teilhabe im Mittelpunkt steht. In Schleswig-Holstein ist der Regelbetrieb unter Auflagen für Werkstätten weiterhin möglich.

Tagesstruktur stabilisieren, Isolation vermeiden

Der Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein hält dieses Vorgehen im Hinblick auf die Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen für geboten: „Insbesondere zur Aufrechterhaltung der Tagesstruktur und Vermeidung von Isolation ist die Arbeit in den Werkstätten für die Beschäftigten wichtig“, erklärt Matthias Damm, Bereichsleiter der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Bad Segeberg, und ergänzt: „In unseren Einrichtungen nehmen wir zudem wahr, dass die Beschäftigten sehr froh sind, arbeiten und ihre Kollegen treffen zu können.“ Damm macht deutlich: „Der Schutz aller Menschen bei uns in den Häusern ist uns wichtig und wir tun alles, um die nötige Sicherheit zu gewährleisten.“

Strenges Hygienekonzept

Im ganzen Landesverein gilt seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ein strenges Hygienekonzept, welches ständig überprüft und bei Bedarf angepasst wird. Im Rahmen dieses Hygienekonzeptes wurde beispielsweise festgelegt, dass auch die Beschäftigten in den Werkstätten einen Mund-Nase-Schutz tragen müssten – dies wäre eigentlich aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen nicht erforderlich. Der Landesverein setzt mit der Öffnung der Werkstätten auch politische Vorgaben um: "Für Menschen mit Behinderungen sind Leistungen der sozialen Teilhabe und der Teilhabe am Arbeitsleben sowohl im Arbeits- wie auch im Berufsbildungsbereich umfassend zu ermöglichen." heißt es in den Hinweisen und Empfehlungen zur Coronabekämpfungsverordnung, die von der Landesregierung am 25. Januar 2021 herausgegeben wurden.

Positive Rückmeldungen von Beschäftigten und Mitarbeitenden

Das strenge Hygienekonzept des Landesvereins für Innere Mission in Schleswig-Holstein hat sich in den vergangenen Monaten auch in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen bewährt, die Rückmeldungen von Beschäftigten und Mitarbeitenden sind durchweg positiv: Viele würden es darüber hinaus aber als diskriminierend empfinden, wenn sie gezwungen werden würden, zu Hause zu bleiben. Die Hygienemaßnahmen, die mit den Mitarbeitervertretungen und dem Werkstattrat abgesprochen sind, sind nach der Einschätzung der Werkstattleitungen gut und geeignet, die Menschen in den Werkstätten auch in dieser außergewöhnlichen Situation zu schützen. „Sollten sich Personen überfordert fühlen oder Angst haben, sind wir jederzeit dafür offen, gemeinsam individuelle Lösungen zu finden - und wir behalten natürlich das Infektionsgeschehen ständig im Blick“, unterstreicht Matthias Damm.