Mit Karl May, Wacken und Bollerwagen-Tour durch die Corona-Zeit

Wie das Team der Pflegewohnanlage Eiderheim trotz der Einschränkungen durch die Pandemie die soziale Betreuung mit kreativen Ideen gestaltet.

(20.10.2020) Im Gruppenraum hängen Tomahawks, Pfeil und Bogen sowie bunte Kleider an den Wänden, auf dem Fernseher reiten Indianer durch eine Steppe. Eine kleine Gruppe Menschen sitzen in Sesseln oder Rollstühlen, sie haben ein alkoholfreies Bier oder eine Limonade in der Hand und johlen vergnügt über die Missgeschicke der Cowboys und Indianer in einer Kino-Komödie, die auf dem Fernseher flimmert. Auf dem Flur sind Tische aufgestellt, auf denen Federn, glitzernde Sterne und bunte Aufkleber liegen.

Wild-West-Flair in Flintbek

Normalerweise wäre Mitte September eine Gruppe der Pflegewohnanlage Eiderheim nach Bad Segeberg aufgebrochen, um eine Vorführung der Karl-Kay-Festspiele zu sehen. Nachdem das Spektakel am Kalkberg jedoch wegen der Corona- Pandemie abgesagt wurde, holten die Mitarbeiter*innen um Einrichtungsleitung Birgit Schmidt und die soziale Betreuungskraft Silke Langmaack das Wild-West-Flair kurzerhand nach Flintbek – und veranstalteten einen „Karl-May-Tag“ mit Filmvorführung und Bastelvormittag.

Bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie hatten die Mitarbeiter*innen der Pflegewohnanlage, unterstützt von ehrenamtlichen Helfer*innen um die ehemalige Mitarbeiterin Eva Bauer, besondere Aktivitäten für die Bewohner* innen gestaltet: Die Fahrt zur Karl- May-Aufführung in Bad Segeberg oder zum Wacken-Open-Air, Ausflüge zum Strand und zu Sehenswürdigkeiten erfreuten sich großer Beliebtheit.

Anspruch auf zusätzliche Betreuung

Weitere Unterstützung bei diesem Freizeitprogramm kommt von den zusätzlichen Betreuungskräften, die seit 2017 nach § 43b SGB XI den Anspruch aller Pflegebedürftigen in Pflegeeinrichtungen auf zusätzliche Betreuung und Aktivierung umsetzen und insbesondere für alltägliche Aktivitäten wie Spaziergänge oder Spiele in den Einrichtungen präsent sind.

Als Ende Februar die ersten behördlichen Corona-Auflagen beschlossen wurden, mussten die meisten geplanten Sonderveranstaltungen auch in der Pflegewohnanlage Eiderheim abgesagt werden – darunter die beliebte tiergestützte Therapie sowie regelmäßige Andachten. Auch das „Mensch-ärger-dich-nicht“-Turnier des Eiderheims Mitte März fiel aus.

Vorbereitungen begannen bereits vor der Pandemie

Die Idee, neben den vielfältigen Aktivitäten außerhalb des Eiderheims noch kleine „Events“ für die Bewohner innerhalb der Einrichtung anzubieten, hatten Birgit Schmidt und Silke Langmaack bereits vor dem Ausbruch der Corona- Pandemie vorangetrieben. Vor dem Hintergrund des bundesweiten „Lockdowns“ bekam das Projekt allerdings eine zusätzliche Dynamik.

Nach kurzer Vorbereitung entstand daraufhin ein bunter Veranstaltungskalender:

  • Im April wurde in der Pflegewohnanlage „Ostern nach Corona-Art“ gefeiert.
  • Am Ersten Mai schmückten Mitarbeiter*innen und Bewohner*innen einen provisorischen Maibaum im Eingangsbereich der Pflegewohnanlage, außerdem wurde als Ersatz für die beliebte Flintbeker Veranstaltung „Frühling im Eidertal“ ein Waffelbacken veranstaltet.
  • Am 21. Mai brachen Silke Langmaack und ihre Kolleg*innen zu einer „Vatertagstour" auf und zogen mit Bollerwagen und Musik durch die Wohnbereiche, um bei einem alkoholfreien Bier einen „Klönschnack“ mit den Bewohner*innen zu halten.
  • Nach einem Erdbeerfest im Juni folgte im Juli eine Beach-Party: „Wir holen das Strandfeeling in unser Haus und wollen bei alkoholfreien Cocktails mit Spiel und Spaß den Sommer genießen“, war auf dem Veranstaltungsplakat zu lesen. Eine Sandkiste in Muschelform wurde kurzerhand zum Strand umfunktioniert, dazu wurden sogar Palmen beschafft.
  • Unter dem Motto „Wacken Goes Eiderheim“ ersetzten die Mitarbeiter* innen kurz darauf die beliebte Fahrt zum Wacken-Open-Air - mit Würstchen vom Grill, Rockmusik und Luftgitarren-Performances.

Mit dem Karl-May-Tag und einem Schlagerfestival fand die Veranstaltungsreihe im Eiderheim im September ein vorläufiges Ende – doch Birgit Schmidt, Silke Langmaack und ihre Kolleg*innen möchten an dem bunten Programm festhalten: „Die Bewohner finden es toll“, berichtet Birgit Schmidt. Die Corona-Pandemie hat den Alltag in der Pflegewohnanlage eingeschränkt: „Früher kamen ganze Familien zu Besuch, inzwischen sind Besuche nur noch stark begrenzt möglich.“

Einige der Bewohner* innen seien durchaus jünger, körperlich nicht stark eingeschränkt und daher „empfänglich für Aktivität. Sie wollen selber mitmachen“, unterstreicht die Einrichtungsleiterin. Neben den Aktivitäten innerhalb der Pflegewohnanlage seien auch viele Angebote im Umfeld abgesagt worden. Die liebevoll gestalteten Aktivitäten seien auch ein „Dankeschön“ an die Bewohner*innen für ihre Geduld in Zeiten der Pandemie.

Mehr über die Pflegewohnanlage Eiderheim erfahren Sie hier.