Inklusive Werkstatt im Betrieb der pelzGROUP

Mit der Firma Pelz beginnt die Firmengeschichte der heutigen pelzGROUP vor 78 Jahren mit der Herstellung von Verbandwatte. Später folgen kosmetische Watte, Q-tips und Wattepads für die tägliche Schönheitspflege. Heute ist das Produktsortiment breit aufgestellt und die Unternehmensgruppe zählt zu den größten Herstellern in Europa: von Tampons und Damenhygieneprodukten, Einmaltüchern bis hin zu Artikeln für Inkontinenz ist vieles dabei, was für die tägliche Körperhygiene benötigt wird. Darüber hinaus werden Haushaltsfolien und Müllbeutel produziert sowie Vliesstoffe für Medizin, Hygiene und Filtration. So einfach die Produkte aussehen – es steckt viel Wissen, Technologie, Forschung und Produktentwicklung dahinter.
Die pelzGROUP produziert ausschließlich am Standort Wahlstedt in Deutschland. Trotz internationaler Ausrichtung ist das Unternehmen lokal fest verwurzelt und arbeitet bereits seit den 80er Jahren mit den Segeberger Werkstätten des Landesvereins für Innere Mission zusammen. In der Werkstatt Wahlstedt des Landesvereins wurden zunächst leichte Verpackungstätigkeiten und Schrumpfarbeiten erledigt und so Menschen mit Beeinträchtigungen beschäftigt. Die Aufträge der Firma PELZ waren dabei stets in der Werkstatt Wahlstedt in der Industriestrasse und der OKAL-Halle angesiedelt und wurden dort auf verschiedene Arbeitsgruppen verteilt. Im Jahr 2015 kam es dann unter der Gruppenleitung von Frau Bohnsack zur Gründung der Industriegruppe 5, die ausschließlich für PELZ Aufträge tätig war. Es wurden Hygieneeinlagen konfektioniert und für den Versand vorbereitet, es gab Großaufträge in denen z.B. Waren für 165 Paletten in der Woche mit Hand konfektioniert und für den Versand vorbereitet wurden. Ab da steigerten sich die Aufträge kontinuierlich und die Bandbreite der Arbeiten wurde vielfältiger: Produktverarbeitung, bekleben, einpacken, verschweißen, umverpacken, und versandfertig konfektionieren – all diese Arbeiten gehören zum Leistungsumfang der Werkstatt.
Im November 2024 kam dann die Nachricht, dass die zwischenzeitlich auf 22 Beschäftigte und 2 Mitarbeitende angewachsene Industriegruppe 5 aus der OKAL-Halle ausziehen müsse und der Mietvertrag mit der Werkstatt nicht verlängert werden würde.
So kam es 2025 zum Austausch zwischen der Werkstattleiterin Sabiene Schnack und Dr. Nikolas Bastian, CEO der pelzGROUP, zu Möglichkeiten der Fortsetzung der bisher erfolgreichen Zusammenarbeit unter geänderten Rahmenbedingungen. Für die Herstellung der Produkte und Konfektionierung wird auf Werkstattseite viel Platz benötigt, dieser würde nun wegfallen. Die künftige Auftragsabwicklung für PELZ war ungewiss. Es folgten weitere Gespräche, Konzeptüberlegungen und am Ende wurde die Idee einer inklusiven Werkstatt direkt im laufenden PELZ-Betrieb geboren. „Wir schätzen die seit Jahrzehnten bestehende Zusammenarbeit mit der Werkstatt des Landesvereins als verlässliche Konstante bei gleichzeitig sehr hoher Flexibilität“, erläutert Dr. Nikolas Bastian, CEO der pelzGROUP und so kam Ende Juli die Zusage von Firma PELZ und im November 2025 stand der Umzugstermin für die jetzige Industriegruppe 5, künftig als eigene Werkstattgruppe integriert auf dem PELZ-Gelände, fest.
„Die Freude war riesig, als damit feststand, dass die Gruppe auch künftig als Einheit bestehen bleiben würde und für den geschätzten Partner PELZ tätig sein kann“, erklärt Werkstattleiterin Sabiene Schnack. „Am Anfang gab es auch viel Fragen und Skepsis“, sagt Projektleiterin Janina Hamann der Firma PELZ, „es folgten viele Kennenlernmeetings und Besichtigungen und dann als es in die Praxis ging, wurde es schnell konkret: die Halle umgestaltet und der Weg gekennzeichnet, Inventar geplant bis zum eigentlichen Umzug. Mittlerweile empfinden unsere Mitarbeitenden die neue Gemeinschaft mit der Werkstattgruppe als sehr wertvoll.“
Mitte März wurden in zwei Tagen und 6 LKW Ladungen Maschinen und Zubehör sowie Arbeitsplatzausstattung in die Willy-Pelz-Straße verbracht und montiert. Die Arbeit lief direkt wieder an und inzwischen ist das Team im Arbeits- und Betriebsalltag auf dem PELZ-Gelände voll integriert. In den Pausen besuchen die Beschäftigten die PELZ Kantine, morgens kommen einige mit dem Rad, andere mit dem Fahrdienst.
Inzwischen ist die gemeinsame Arbeit auf dem Betriebsgelände eingespielt und beide Partner blicken auf die gelungene Integration im laufenden Betrieb zurück. Vorstandssprecher Matthias Dargel und Geschäftsfeldleitung Arbeit:Teilhabe Stefan Martens-Graschtat erklären: „Moderne Teilhabe am Arbeitsleben bedeutet, Arbeitsorte dort zu schaffen, wo gesellschaftliches und berufliches Leben stattfinden. Werkstattbeschäftigung und betriebliche Arbeitswelten sind heute keine getrennten Sphären mehr. Inklusion gelingt dort am besten, wo Menschen selbstverständlich zusammenarbeiten. Die Integration von Arbeitsplätzen direkt im Unternehmen stärkt Selbstbestimmung, soziale Teilhabe und betriebliche Inklusion und ist deshalb ein folgerichtiger Schritt zu mehr Teilhabe für Menschen mit Unterstützungsbedarf am Arbeitsleben. Dass wir dieses Modell gemeinsam mit PELZ erfolgreich umsetzen konnten, freut uns sehr und setzt ein wichtiges Zeichen für eine inklusive Arbeitswelt.“





