Neue Möglichkeit für psychiatrienahe, freie Kunst

Der Landesverein bietet seit vielen Jahren unter dem Titel „Maleratelier“ für Menschen mit Psychiatrieerfahrung die Möglichkeit sich in einem „therapiefreien Raum“ künstlerisch zu entfalten. Dieses Angebot wurde zuletzt von ca. 10-15 Personen aktiv genutzt. Bis zum Sommer standen dafür Räumlichkeiten im sogenannten „Kunsthaus“ des Landesvereins zur Verfügung.
In den letzten Jahren wurden die kunst- und ergotherapeutischen Angebote für Patient*innen des Psychiatrischen Krankenhauses und der Psychiatrischen Institutsambulanz erheblich erweitert. Diese kunsttherapeutischen Angebote sollen vorrangig im dafür vorgesehenen Kunsthaus durchgeführt werden. Um das Angebot „Maleratelier“ weiterhin aufrecht zu erhalten, wurde vom Landesverein ein großer Arbeitsraum frisch renoviert und an die Künstlergruppe zur Nutzung übergeben. Die Räumlichkeiten sind mit einer sehr hellen, schattenfreien Illumination, mit Waschbecken und Sanitäranlagen sowie mit Spinden ausgestattet, um persönliche Wertsachen unterzubringen. Die Eröffnung mit der Gruppe fand am 3. Dezember um 15 Uhr vor Ort statt. Die Erst- und Grundausstattung für den Künstlerbedarf wird vom Landesverein für Innere Mission ebenfalls zur Verfügung gestellt.
Ein solches Angebot ist bundesweit vergleichbar kaum zu finden.
Die Künstler*innen haben ab sofort von montags bis freitags von 08:00 Uhr bis 16:00 Uhr die Möglichkeit zur therapiefreien Gestaltung von Bildern, zum gemeinsamen Treffen und zur freien Gestaltung offener Begegnung. Dies ermöglicht in besonderer Form sich gegenseitig zu stützen und zu unterstützen. Dr. med. Sabine Huss, Chefärztin der Psychiatrischen Institutsambulanz in Rickling, erläutert: „Es ist bekannt und in vielen Studien belegt (u.a. Studie U. Dinger 2020), dass interpersoneller Input mit wechselseitiger Gruppenkohäsion klare, positive psychodynamische Effekte zeigt – so kann sich ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln und der Zusammenhalt gestärkt werden.“ „Wir möchten mit der neuen Räumlichkeit den Künstler*innen des Malerateliers weiterhin Raum geben zur freien Gestaltung ihrer Kunstwerke, dabei Eigenverantwortung stärken und ihnen dennoch die Sicherheit eines psychiatrienahen Umfeldes geben“, erläutert Vorstandssprecher Matthias Dargel die Neuausrichtung des Angebots. „Ein solches Angebot ist bundesweit vergleichbar kaum zu finden“, so Dr. med. Huss. Die Künstler*innen können sich bei Bedarf jederzeit an die Psychiatrische Institutsambulanz wenden und werden auch bei fachlichen Fragen gern unterstützt.
Vorstand Matthias Dargel erklärte im Gespräch mit den Künstler*innen bei der Übergabe der neuen Räumlichkeit: „Alles Neue ist am Anfang immer schwierig und sicher wird sich in nächster Zeit manches noch ein wenig „zurechtrücken“. Wir sind aber sehr optimistisch, dass der neue Künstlerraum für die Betroffenen eine Bereicherung sein wird.“
